Kapuzinerkloster Werne

 

Das Klos­ter Wer­ne ist ein Klos­ter des Kapu­zi­ner-Ordens in Wer­ne

Das Klos­ter Wer­ne ist ein Klos­ter des Kapu­zi­ner­or­dens in Wer­ne/­Nord­rhein-West­fa­len.

Geschichte

Gründung

Da nach dem Drei­ßig­jäh­ri­gen Krieg bereits drei Ordens­leu­te regel­mä­ßig Wer­ne besuch­ten, und die Rats­mit­glie­der um eine „Erhal­tung und Bele­bung der katho­li­schen Reli­gi­on“ baten, lie­ßen sich 1659 drei Kapu­zi­ner­brü­der in Wer­ne nie­der. Sie soll­ten für das See­len­heil der Bevöl­ke­rung sor­gen. Dies war not­wen­dig gewor­den, da die ein­zi­ge Kir­che in Wer­ne, die Chris­to­pho­rus Kir­che, von ehe­mals elf vor dem Krieg täti­gen Pries­tern nur noch zwei beher­berg­te. Zu ihren Auf­ga­ben soll­te auch die Lei­tung des Reli­gi­ons­un­ter­rich­tes an den Schu­len gehö­ren.

Inner­halb der Stadt war der Platz begrenzt, des­halb schenk­te man den Mön­chen außer­halb der Stadt­mau­er Land, wo sie das Klos­ter und die Kir­che von 1671 bis 1680 auf zuge­schüt­te­ten Grä­bern errich­te­ten.

17. und 18. Jahrhundert

Die Patres leb­ten getreu den Regeln des hei­li­gen Franz von Assi­si. Die Hil­fe und der Ein­satz für not­lei­den­de Men­schen stan­den im Vor­der­grund. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich schnell ein volks­na­hes Leben, das den Mön­chen in Wer­ne viel Sym­pa­thie ein­brach­te.

Als im 17. und 18. Jahr­hun­dert die Pest in Wer­ne wüte­te, oblag die Auf­ga­be der Pfle­ge der Kran­ken den Mön­chen. Ein Teil des Klos­ters, das Pest­häus­chen, erin­nert noch heu­te dar­an. Hier leb­ten die Mön­che, die mit kran­ken Men­schen in Kon­takt gekom­men waren, um die ande­ren nicht anzu­ste­cken.

Säkularisation

Durch den Reichs­de­pu­ta­ti­ons­haupt­schluss, der durch den Anschluss Müns­ters an Preu­ßen auch für Wer­ne zwin­gend wur­de, wur­de das Klos­ter 1803 Staats­ei­gen­tum. Die Mön­che durf­ten zwar im Klos­ter blei­ben, die Auf­nah­me wei­te­rer Mit­glie­der wur­de ihnen ver­wehrt. 1843 wur­de das Klos­ter jedoch säku­la­ri­siert, und ver­schie­de­ne Schu­len wur­den in den Gebäu­den unter­ge­bracht. In den Ober­ge­schos­sen konn­ten die Mön­che trotz­dem wei­ter­hin woh­nen.

Anton Erd­mann, der Lei­ter der im Klos­ter unter­ge­brach­ten Rek­to­rats­schu­le, setz­te sich mit dem Ordens­ge­ne­ral der Kapu­zi­ner in Rom in Ver­bin­dung und konn­te errei­chen, dass der Ordens­be­trieb 1851 wie­der auf­ge­nom­men wur­de. Von Wer­ne aus wur­den in der Fol­ge­zeit noch eini­ge wei­te­re rhei­nisch-west­fä­li­sche Kapu­zi­ner­klös­ter errich­tet. Die Rek­to­rats­schu­le blieb noch bis 1869 unter der Lei­tung der Ordens­brü­der im Klos­ter bestehen, bis sie 1869 ein eige­nes Gebäu­de bekam.

Kulturkampf

Der Kul­tur­kampf, eine Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der katho­li­schen Kir­che unter Papst Pius IX. und dem König­reich Preu­ßen unter Otto von Bis­marck in den Jah­ren 1871 bis 1878, brach­te das siche­re Bestehen des Klos­ters noch ein­mal in Gefahr. Mit dem Klos­ter­schlie­ßungs­ge­setz aus dem Jah­re 1875 droh­te dem Klos­ter erneut die Schlie­ßung. Doch Fer­di­nand Graf von Meer­feld in Wes­ter­win­kel, der das Klos­ter von der Stadt erst gepach­tet und spä­ter über­nom­men hat­te, ließ zwei Mön­che in dem Anwe­sen woh­nen, die auch Got­tes­diens­te abhal­ten konn­ten. Nun mach­te sich die gute Bezie­hung zum Volk bezahlt. Einer Kon­trol­le, die prüf­te, ob das Klos­ter wirk­lich geschlos­sen wäre, wur­de stets mit­ge­teilt, Got­tes­diens­te fän­den schon lan­ge nicht mehr statt. Als der Bevöl­ke­rung nicht geglaubt wur­de und man ins Klos­ter ein­bre­chen woll­te, kam einer der Mön­che in Zivil und droh­te die Ein­dring­lin­ge beim Graf von Meer­feld wegen Haus­frie­dens­bru­ches anzu­kla­gen. Da dies der Kon­trol­le zu ris­kant war, zogen sie schließ­lich mit dem Ergeb­nis, das Klos­ter sei unbe­wohnt, von dan­nen.

Sowohl wäh­rend der Säku­la­ri­sa­ti­on und des Kul­tur­kamp­fes leb­ten Mön­che im Klos­ter; dies macht das Klos­ter Wer­ne zum ein­zi­gen Kapu­zi­ner­klos­ter, das immer bewohnt war. Alle ande­ren Orden müs­sen auf Ver­trei­bun­gen in ihrer Geschich­te zurück­bli­cken.

Erst 1887 war es den Kapu­zi­nern gestat­tet, das Klos­ter wie­der­zu­eröff­nen. Von da an zogen jun­ge Leu­te in das Klos­ter ein, da es zu einer Bil­dungs­stät­te für Stu­den­ten des Ordens wur­de. Um die Jahr­hun­dert­wen­de und auch nach dem Zwei­ten Welt­krieg konn­ten jun­ge Brü­der dem Stu­di­um der Theo­lo­gie und Phi­lo­so­phie nach­ge­hen.

20. Jahrhundert

Von 1904 bis 1911 leb­te der Seli­ge Ani­cet Koplin (1875–1941) im Klos­ter Wer­ne. Er wirk­te vor allem als Seel­sor­ger für die pol­nisch­spra­chi­ger Berg­leu­te der Zeche Wer­ne. Ab 1918 war er Seel­sor­ger in War­schau, nann­te nach dem Über­fall der Wehr­macht auf Polen die Ver­bre­chen der Besat­zer beim Namen und wur­de im KZ Ausch­witz ermor­det.

Von 1978 bis 1999 war das Klos­ter in Wer­ne das Novi­zi­ats­haus der rhei­nisch-west­fä­li­schen Kapu­zi­ner-Pro­vinz. Dort wur­den jun­ge Män­ner in das Leben und die Auf­ga­ben der Bru­der­ge­mein­schaft ein­ge­wie­sen. Danach wur­de Salz­burg zum Aus­bil­dungs­ort für den gesam­ten deutsch­spra­chi­gen Raum bestimmt; von 1999 bis 2004 war Wer­ne nur noch ein Klos­ter, in dem jun­ge Män­ner das Leben der Patres ken­nen­ler­nen konn­ten, um zu ent­schei­den, ob sie dem Orden bei­tre­ten möch­ten.

Das Kloster heute

Der­zeit leben noch fünf Mön­che in Wer­ne. Sie arbei­ten in der Seel­sor­ge, fei­ern die Got­tes­diens­te in der eige­nen oder als Aus­hil­fe auch in ande­ren Kir­chen, lei­ten Mess­die­nergrup­pen und wid­men sich der Jugend­seel­sor­ge, u. a. bei einem monat­li­chen „Selbst­fin­dungs­tag“ für Jugend­li­che. Sie bie­ten Bibel­ge­sprä­che, Medi­ta­tio­nen und Kir­chen- und Klos­ter­füh­run­gen an.

Seit fast 350 Jah­ren fin­det jedes Jahr am letz­ten Som­mer­fe­ri­en­wo­chen­en­de die Fuß­wall­fahrt zum Gna­den­bild der Mut­ter­got­tes in Werl statt. Mehr als 200 Pil­ger neh­men die drei­ßig Kilo­me­ter bei jeg­li­chem Wet­ter auf sich, um betend und sin­gend gemein­sam mit den Kapu­zi­nern nach Werl und zurück zu pil­gern.

Auf einem sepa­ra­ten Teil des Fried­ho­fes in Wer­ne fan­den vie­le Kapu­zi­ner ihre letz­te Ruhe­stät­te.

Architektur

Der Archi­tekt des Klos­ters, der Kapu­zi­ner­bru­der Ambro­si­us von Oel­de war zur Zeit des Früh­ba­rocks ein bekann­ter Bau­meis­ter in West­fa­len. Die Barock­ka­pel­le am Pader­bor­ner Dom wur­de unter ande­rem von ihm ent­wor­fen. Er starb 1705 in Wer­ne und sein Grab befin­det sich unter dem lin­ken Sei­ten­al­tar in der Kir­che. Davon zeugt auch noch heu­te eine Gedächt­nis­ta­fel, die am Ein­gang der Kir­che in die Wand ein­ge­las­sen wur­de.

Um einen klei­nen Hof, der 1992 als Brun­nen­hof erneu­ert wur­de, lie­gen die vier Flü­gel der schlich­ten Klos­ter­an­la­ge. Die Kir­che ist ein Saal­bau. Dahin­ter schließt sich der Gebets­raum der Mön­che an. Ein Dach­rei­ter mit Zwie­bel­helm und klei­ner Glo­cke kenn­zeich­net die Kir­che der Kapu­zi­ner. Das Pest­häus­chen ist in der ers­ten Eta­ge mit grau­em Gra­nit gebaut. Dar­über erstreckt sich ein weiß ver­putz­tes Fach­werk­haus mit rotem Zie­gel­dach.

Die Klos­ter­kir­che ist, laut der latei­ni­schen Inschrift über dem Mit­tel­por­tal, der hei­li­gen Drei­fal­tig­keit und den Apos­teln Petrus und Pau­lus gewid­met. Am 4. Okto­ber 1680, am Fest des hl.  Fran­zis­kus, wur­de sie ein­ge­weiht. Das Kir­chen­in­ne­re ist schlicht gehal­ten, und nur die drei im Stil des Roko­kos gehal­te­nen Altä­re fal­len sofort ins Auge. Den Hoch­al­tar stif­te­te der Lan­des­herr, Fürst­bi­schof von Fürs­ten­berg, der rech­te Altar zeigt das Wap­pen der Adels­fa­mi­lie von Asche­berg. Der lin­ke trägt kein Stif­ter­wap­pen, da er von den Men­schen der Stadt Wer­ne gespen­det wur­de. Das Bild über dem Hoch­al­tar zeigt den gekreu­zig­ten Jesus mit sei­ner Mut­ter Maria, dem Lieb­lings­jün­ger Johan­nes und die Sün­de­rin. Auf dem Pferd sitzt Lon­gi­nus, der römi­sche Sol­dat stößt die Lan­ze in die Sei­te des Gekreu­zig­ten. Die­ses Kunst­werk wur­de vom Kapu­zi­ner­bru­der Dami­an von Ratin­gen 1684 gemalt. Sein Selbst­por­trät ist im Gesicht des Lan­zen­ste­chers zu erken­nen.

Hin­ten in der Kir­che steht eine baro­cke Pie­ta. Vie­le Besu­cher zün­den hier eine Ker­ze an und schrei­ben ihre Sor­gen und Nöte in ein Für­bit­ten­buch. Die Kapu­zi­ner erwäh­nen die Bit­ten im täg­li­chen gemein­sa­men Gebet. Im Kreuz­gang des Klos­ters hängt ein altes Pil­ger­kreuz, das seit 1677 Pil­ger bei der jähr­li­chen Fuß­wall­fahrt zum Gna­den­bild nach Werl tra­gen.

Die Biblio­thek bewahrt den gut­erhal­te­nen Buch­be­stand von etwa 20.000 Büchern, eini­ge von ihnen sind fast 400 Jah­re alt. Zustan­de gekom­men ist die­ser Bestand durch Spen­den und durch das Erbe ver­stor­be­ner Pries­ter, die ihre Bücher sicher ver­wahrt wis­sen woll­ten.

Der vom Freun­des­kreis Klos­ter­gar­ten Wer­ne lie­be­voll gepfleg­te Gar­ten des Klos­ters wur­de vom Land­schafts­ver­band West­fa­len-Lip­pe (LWL) als Denk­mal des Monats Juni 2014 aus­ge­zeich­net.

Lizenz

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 Veröffentlicht von am 17:22